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So weit ist die Schweiz mit dem Impfen

Wie hoch sind die Impfquoten in den Kantonen und weltweit? Wie lange dauert es noch, bis alle geschützt sind? Wann treffen die nächsten Dosen von den Herstellern ein? Die Übersicht.

Yannick Wiget, Mathias Lutz, Patrick Vögeli, Marc Brupbacher, Sebastian Broschinski
Aktualisiert am 9. April 2021

Die Corona-Massenimpfung in der Schweiz nimmt Fahrt auf. In den letzten Wochen hat der Bund von den beiden Herstellern Biontech/Pfizer und Moderna über 1 Million neue Dosen erhalten. Die meisten davon wurden schon an die Kantone verteilt. Diese haben in der vergangenen Woche 166’000 Dosen verimpft. Das ist etwas weniger als in der Woche davor, was an Ostern liegen dürfte, über die Feiertage waren die meisten Impfzentren in der Schweiz geschlossen.

1'690'425
Impfdosen
wurden in der Schweiz bereits verabreicht.

Insgesamt hat der Bund bis jetzt knapp 2,4 Millionen Impfdosen erhalten. Das reicht theoretisch für 1,2 Millionen Personen. Denn von beiden zugelassenen Vakzinen braucht es zwei Injektionen für eine Immunisierung. Vom verfügbaren Impfstoff haben die Kantone bis jetzt 71 Prozent verabreicht: 1,7 Millionen Dosen.

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Welcher Anteil der Bevölkerung wurde schon geimpft?

Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wurden in der Schweiz (ohne Liechtenstein) bis zum 7. April genau 1’690’425 Dosen gegen das Coronavirus verabreicht. Damit wurden knapp 413’000 Menschen einfach und gut 642’000 Menschen doppelt und damit vollständig geimpft.

Anteil geimpfter Personen der Schweizer Bevölkerung
vollständig: 7,5%
einfach: 4,7%
ungeimpft: 87,8%
Quelle: BAG

Es ist aber gar nicht das Ziel des Bundes, die ganze Bevölkerung zu impfen, sondern nur so viele Erwachsene wie möglich. Insgesamt gibt es knapp 7,1 Millionen Erwachsene in der Schweiz. Von diesen haben bislang 5,7 Prozent eine Injektion und 9,1 Prozent zwei Injektionen erhalten.

Anteil geimpfter Personen aller Schweizer Erwachsenen
vollständig: 9,1%
einfach: 5,7%
ungeimpft: 85,2%
Quelle: BAG

Prioritär behandelt werden besonders gefährdete Personen, also ältere und Menschen mit Vorerkrankung. Einige Kantone veröffentlichen Zahlen nach Alterskategorie: In den meisten davon sind 40 Prozent oder mehr der über 80-Jährigen vollständig geimpft. Bei den jüngeren Gruppen ist der Anteil noch deutlich tiefer.

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Hat die Impfung schon einen Effekt?

Ja, und zwar einen deutlichen: Bei den über 80-Jährigen, von denen viele schon geimpft sind, geht die Zahl der Hospitalisationen seit längerem stark zurück. Daher sinkt auch der Anteil dieser Altersklasse an allen Hospitalisierten deutlich. Noch keinen Effekt sieht man bei den 60–79-Jährigen, von denen viele noch nicht immunisiert sind.

Dafür werden anteilsmässig immer mehr Jüngere wegen Covid-19 ins Spital eingeliefert, von denen die meisten noch nicht geimpft sind.

3
Wie hoch ist die Impfquote in den Kantonen?

Das BAG liefert zweimal pro Woche eine Übersicht zur Lage. Die Zahlen zeigen, dass es grosse Unterschiede im Tempo gibt. So hat Uri beispielsweise schon mehr als 24 Dosen pro 100 Einwohner verabreicht, Zürich erst gut 15.

Die Menge der Impfdosen, die der Bund verteilt, wird durch den Anteil der Risikogruppen in der Bevölkerung des jeweiligen Kantons bestimmt. Einige Kantone sind aber deutlich schneller als andere, wenn es darum geht, die erhaltenen Dosen zu verimpfen.

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Wie schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich ab?

Die Schweiz hat bis jetzt 19,6 Dosen pro 100 Einwohner verimpft. In etlichen Ländern ist man inzwischen deutlich weiter. Etwas besser sieht es aus, wenn man die Tabelle nach dem Anteil der vollständig Geimpften sortiert. Dann liegen nur zehn Staaten vor der Schweiz.

Mit Abstand am schnellsten ist Israel unterwegs, das schon 118 Dosen pro 100 Einwohner verabreicht hat – sechsmal so viel wie die Schweiz. Über die Hälfte der Bevölkerung wurde sogar schon vollständig geimpft.

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Wie viel Impfstoff steht überhaupt zur Verfügung?

Der Bund hat mit fünf Herstellern Verträge für 35,8 Millionen Impfstoffdosen abgeschlossen. Weil in der Regel zwei Dosen pro Person nötig sind, reichen die Bestellungen für 17,9 Millionen Menschen. Wie gesagt sollen nur die 7,1 Millionen Erwachsenen in der Schweiz geimpft werden. Es wurden also mehr als genügend Vakzine bestellt.

Zugelassene Impfstoffe werden von den Herstellern nicht auf einmal, sondern nach Verfügbarkeit und etappenweise in die Schweiz geliefert. Bisher hat der Bund insgesamt 2'390'325 Dosen von Biontech und Moderna erhalten, also erst 6,7 Prozent aller Bestellungen.

So viele der bestellten Dosen hat die Schweiz schon erhalten
Biontech/Pfizer (DE/US): 6 Mio. Dosen bestellt
erhalten: 14,7%
ausstehend: 85,3%
Quelle: BAG
Moderna (US): 13,5 Mio. Dosen bestellt
erhalten: 10%
ausstehend: 90%
Quelle: BAG
Astra-Zeneca (GB/SE): 5,3 Mio. Dosen bestellt
ausstehend: 100%
Quelle: BAG
Novavax (US): 6 Mio. Dosen bestellt
ausstehend: 100%
Quelle: BAG
Curevac (DE): 5 Mio. Dosen bestellt
ausstehend: 100%
Quelle: BAG

Die Vakzine der Hersteller Astra-Zeneca, Novavax und Curevac haben noch keine Zulassung erhalten. Zumindest von den beiden Letzteren sollten ab Mai ebenfalls Dosen kommen, wie der Lieferplan des Bundes zeigt (mehr dazu weiter unten).

Zusätzlich hat sich die Schweiz 3 Millionen Impfdosen über die Impfallianz Covax gesichert, die unter der Führung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine faire globale Verteilung sorgen will. Hier rechnet das BAG jedoch nicht mit einer baldigen Lieferung.

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Wie viele wollen sich überhaupt impfen lassen?

Die Menge des Impfstoffs ist das eine, das andere ist die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Eine Umfrage der Universität Zürich zeigt, dass sich aktuell rund 66 Prozent der Einwohner in der Schweiz «wahrscheinlich» oder «sehr wahrscheinlich» immunisieren lassen wollen (inklusive den bereits Geimpften).

Gut 22 Prozent schliessen eine Impfung eher beziehungsweise sicher aus. Der Rest, 11,6 Prozent der Bevölkerung, ist noch unentschlossen.

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Wie lange geht es, bis alle (Freiwilligen) geimpft sind?

Das wird noch Monate dauern und ist abhängig von mehreren Faktoren: Erstens von der Menge der verfügbaren Dosen, zweitens von der Umsetzung in den Kantonen und drittens von der Bereitschaft der Bevölkerung mitzumachen. Das ursprüngliche Ziel des Bundes war es, bis zum Frühling die Risikopersonen und bis zum Sommer alle Freiwilligen zu impfen.

Gemäss dem Impfstoff-Lieferplan könnte das aufgehen. Die beiden Hersteller Biontech und Moderna werden bis Ende April zusammen gut 3,8 Millionen Dosen in die Schweiz liefern – was bei doppelter Impfung für drei Viertel der über 65-Jährigen und chronisch Kranken reicht. Der Bund geht von einer hohen Impfbereitschaft von 75 Prozent aus. Damit wären bis Ende April alle Freiwilligen der Risikogruppe abgedeckt.

Voraussichtliche Lieferungen der Impfstoffe

Hinweis: In der Grafik nicht berücksichtigt sind 3 Millionen zusätzliche Dosen von Biontech/Pfizer, welche sich der Bund am 10. März sicherte. Die erste Million soll ab April, die zweite Million ab Juli und die dritte ab September geliefert werden.

Von Mai bis Juli wollen Biontech und Moderna weitere 6,7 Millionen Dosen liefern. Auch die Hersteller Curevac und Novavax könnten dann zum Zug kommen. Beide haben in der Schweiz aber noch kein Zulassungsgesuch eingereicht. Nicht im Lieferplan berücksichtigt ist das Vakzin Astra-Zeneca, auf das der Bund jetzt doch wieder setzen will. Zumindest hat das BAG verschiedene Impfszenarien erstellt, in der Variante mit und ohne den britischen Impfstoff.

Gemäss dem ersten Szenario dürften frühestens in der zweiten Juni-Hälfte alle gesunden Erwachsene (P3–P5) mindestens eine erste Dosis erhalten haben. Dies unter den Bedingungen, dass die Impfbereitschaft bei den Jüngeren nicht über 60 Prozent liegt. Spätestens sind gesunde Erwachsene in der zweiten Juli-Hälfte einfach geimpft (Szenario 3), wenn die Impfbereitschaft bei allen Gruppen 75 Prozent beträgt. Hier geht es zum interaktiven Impfrechner.

Diese Berechnungen beziehen sich jeweils auf die erste Impfdosis. Da laut dem BAG schon rund zwei Wochen nach der ersten Dosis ein hoher Schutz vor symptomatischen Infektionen besteht, kann bereits ein Einfluss auf den Verlauf der Epidemie erwartet werden. Für den vollständigen Impfschutz ist bei den Vakzinen von Biontech und Moderna jedoch eine zweite Dosis notwendig.

Wenn man annimmt, dass sich wie im dritten Szenario des Bundes wirklich 75 Prozent der erwachsenen Bevölkerung impfen lassen wollen, kommt man auf gut 5,3 Millionen Menschen. Von dieser Anzahl sind bis jetzt 7,6 Prozent einfach und 12,1 Prozent doppelt und damit vollständig geimpft worden.

Anteil der geimpften Impfwilligen, bei 75% Impfbereitschaft
vollständig: 12,1%
einfach: 7,6%
ungeimpft: 80,3%
Quelle: BAG

Rechnet man nur mit den gut 66 Prozent (inklusive bereits Geimpfte), die sich laut Umfrage der Universität Zürich sicher immunisieren lassen wollen, kommt man auf 4,7 Millionen Personen. Von diesen wurden bereits 8,7 Prozent einfach und 13,7 Prozent doppelt geimpft.

Anteil der geimpften Impfwilligen, bei 66% Impfbereitschaft
vollständig: 13,7%
einfach: 8,7%
ungeimpft: 77,6%
Quelle: BAG

Wenn man diese Werte zusammenzählt, heisst das konkret: 22,4 Prozent der Impfwilligen in der Schweiz beziehungsweise mehr als jeder fünfte Freiwillige hat jetzt schon mindestens eine Dosis bekommen.