Die SVP-FDP-Mehrheit wankt gefährlich

Eidgenössische Wahlen – FDP und Grüne können mit substanziellen Sitzgewinnen rechnen, SVP und CVP drohen grosse Verluste. Das zeigt eine Analyse aller Parteien und Kantone.

 

Hinweis: Tamedia-Umfrage vom September 2018 (max. Fehlerbereich +/- 1,3%-Punkte), SRG-Umfrage vom Oktober 2018 (max. Fehlerbereich +/- 1,5%-Punkte)
Grafik: mrue/Quelle: BFS, SRG, Tamedia

 

Es waren nur zwei Sitze. Zwei Sitze besiegelten vor vier Jahren die Mehrheitsverhältnisse im Nationalrat. Seither kann die Rechte mit 101 Stimmen theoretisch jedes Geschäft zu ihren Gunsten prägen – sofern FDP und SVP geschlossen votieren. Um diese knappe Mehrheit ist jetzt im Wahljahr 2019 ein erbitterter Kampf entbrannt: Die linken Parteien haben die Umkehr der Machtverhältnisse zu ihrem wichtigsten Wahlziel erhoben; die SVP will ihre Sitze mindestens halten und die FDP zulegen; die Mitte will sich durch flächendeckende Listenverbindungen stärken.

Eine Auswertung dieser Zeitung zeigt nun: Der Plan von Mitte-links dürfte aufgehen – die rechte Mehrheit wankt gefährlich. Ausgehend von den derzeitigen Umfragetrends und den Ergebnissen der kantonalen Wahlen seit 2015, müssen die beiden Rechtsparteien damit rechnen, ihre knappe Vormacht an eine Mitte-links-Mehrheit zu verlieren.

Das ist das Ergebnis einer grossen Analyse über die potenziellen Sitzverschiebungen am 20. Oktober. Zu diesem Zweck hat diese Zeitung die Ausgangslage für die sieben grössten Parteien in allen 26 Kantonen einzeln untersucht ( siehe Methodik).

Die Hauptbefunde:

Rechtes Lager
Das grösste absolute Verlustpotenzial hat demnach die SVP: Bis zu zehn ihrer 65 Mandate im Nationalrat sind gefährdet. Dafür dürfte im rechten Lager die FDP erstarken. Gemäss der Analyse dürften die Gewinne der FDP aber nicht ausreichen, um die Verluste der SVP zu kompensieren – zumal mehrere freisinnige Sitzgewinne auf Kosten der SVP gehen könnten. Die Rechte wird also insgesamt leicht geschwächt.
Linke
Auf linker Seite dürften die Grünen zulegen. Die SP wird ihren Besitzstand in der Summe wohl mehr oder weniger wahren, möglicherweise leicht zulegen. Somit hat die Linke insgesamt gute Aussichten, gestärkt aus den Wahlen hervorzugehen.
Mitte
Entscheidend für die Mehrheitsverhältnisse wird die Mitte sein: Dort droht die CVP im schlechtesten Szenario bis zu einem Viertel ihrer 27 Sitze zu verlieren. Auch bei der BDP wackeln einzelne Sitze. Die GLP dürfte diese Verluste aber wenigstens teilweise kompensieren. Allerdings aspirieren GLP, Grüne und SP meist auf dieselben Sitze. Die drei Parteien schmälern ihre Gewinnchancen wechselseitig – was ihr Gewinnpotenzial einschränkt.
Fazit
In der Bilanz werden sich die Gewichte im Nationalrat damit aus heutiger Sicht leicht nach links verschieben: Das ökologische Lager und die SP dürften etwas mehr Sitze gewinnen, als CVP und BDP zu verlieren drohen. Die Verluste aus diesen Machtverschiebungen trägt gemäss der Analyse die SVP.

 

Benützen Sie die Navigationshilfe oder scrollen Sie einfach durch die einzelnen Parteien.

Grosse Absturzgefahr für die SVP

Sitzzahl:65 (2015: +11)
Davon Restmandate: 7
Gewinnchancen gross:
Chancen intakt:
Wackelsitze:

Wer viel hat, kann viel verlieren. 2015 eroberte die SVP mehr Nationalratssitze als jede andere Partei seit dem Jahr 1919. Im Herbst muss sie nun aber in mindestens acht Kantonen um Sitze zittern. Die Gründe für die Absturzgefahr sind vielfältig. Zum einen ist der Trend negativ: In den kantonalen Wahlen hat die SVP total 13 Parlamentssitze verloren, die Wahlumfragen sind durchzogen. Zum anderen holte sie schon 2015 mehrere Sitze nur dank Proporzglück. In Bern (neun Mandate) und St. Gallen (fünf) verschärfen sich diese Grundprobleme, weil die SVP mit Adrian Amstutz und Toni Brunner ihre stärksten Wahllokomotiven verliert. Im Aargau hat die Partei eine gestaffelte Erneuerung verpasst und muss nun vier ihrer sieben Nationalräte auf einmal ersetzen. In diesen Kantonen wackelt daher je ein Sitz – mindestens.

Fraglich ist zudem, ob David Zuberbühler den vor vier Jahren in Ausserrhoden eroberten Sitz verteidigen kann, falls die FDP einen Gegenkandidaten präsentiert, der auch links wählbar ist. In Uri sollte Beat Arnold seinen Sitz zwar halten können. Wenn er aber – was noch offen ist – aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr antritt, könnte der Sitz an die FDP oder CVP gehen. In Graubünden sind Magdalena Martullo-Blocher oder Heinz Brand abwahlgefährdet wegen einer angedachten Listenverbindung der Mitteparteien. In grossen Kantonen wie Zürich (12 Sitze) können schon kleine Wählerverluste Sitze kosten. In Luzern ist das dritte SVP-Mandat seit Jahren ein Wackelsitz – und nun verliert der Kanton als Ganzes ein Mandat.

Ein Sitzgewinn denkbar scheint dafür in der Waadt, wo die Partei 2015 den fünften Sitz nur knapp verpasste und jetzt ein zusätzliches Mandat zu vergeben ist. Im Baselbiet kann sich die Partei wenigstens gewisse Hoffnungen machen, den CVP-Sitz zu erobern.

Fazit: Noch ist es zu früh, die SVP abzuschreiben. Ihr Wahlerfolg wird auch davon abhängen, wie stark das EU-Thema und die Migration den Wahlkampf prägen werden. Aber selbst bei stabilen Wähleranteilen drohen ihr mehrere Sitzverluste. Falls der momentane Negativtrend anhält, sind substanzielle Verluste von bis zu zehn Mandaten realistisch.

SP zwischen Hoffen und Bangen

Sitzzahl:43 (2015: –3)
Davon Restmandate: 13
Gewinnchancen gross:
Chancen intakt:
Wackelsitze:

Keine andere Partei hält mehr Restmandate als die SP. Dies birgt Risiken für die nationalen Wahlen – auch wenn sie in den Kantonen mit bisher 18 Sitzgewinnen im Aufwind ist. Wackelsitze hat die SP zum Beispiel in der Romandie: In Genf muss sie zwei Bisherige ersetzen – eine Herausforderung. In der Waadt sind während der Legislatur die etablierten Köpfe Cesla Amarelle und Jean Christophe Schwaab zurückgetreten, und Rebecca Ruiz kandidiert im Frühling für den Regierungsrat. Zudem belasten Spendenquerelen die Kantonalsektion. Profitieren könnten beiderorts die in der Romandie aufstrebenden Grünen.

Auch in den Deutschschweizer Kantonen Bern und Zürich haben die Sozialdemokraten ein bzw. zwei Restmandate. Auf Bern entfällt neu ein Sitz weniger, was das sechste SP-Mandat gefährdet. In Zürich hat die SP 2015 zwei Sitze gewonnen; Personalwechsel während der Legislatur und ein möglicher Sitzgewinn der Grünen erschweren es der Partei aber, den Besitzstand zu wahren. In Solothurn holt die SP ihren zweiten Sitz jeweils nur sehr knapp, und die Bisherige Bea Heim tritt nicht mehr an.

Gute Aussichten auf einen Sitzgewinn haben die Sozialdemokraten hingegen im Aargau, wo sie 2015 im Ausstich um die Restmandate nur knapp gegen FDP und GLP unterlagen. Auch im Tessin scheint ein zweiter Sitz realistisch: Dort halten CVP und Lega je ein Restmandat, während die gesamte Linke mit nur einem Sitz vertreten ist. Hoffnungen darf sich die Partei in vier weiteren Kantonen machen: In Basel-Stadt verpasste sie 2015 den dritten Sitz sehr knapp, und im Wallis könnte auf linker Seite die SP statt die in der Basis schwach verankerten Grünen von einem möglichen Sitzverlust der CVP profitieren. In St. Gallen und Luzern wird der Formstand der GLP entscheidend dafür sein, ob für die SP ein Sitzgewinn möglich wird.

Fazit: Die Bilanz dürfte für die SP durchzogen ausfallen. Ob am Ende ein knappes Sitzplus oder -minus resultiert, ist schwer prognostizierbar. In der Romandie schwächelt die Partei, weil sie den Generationenwechsel noch nicht eingeleitet hat. Härteste Konkurrenz sind dort die Grünen, während in der Deutschschweiz auch die Grünliberalen Sitzgewinne erschweren.

FDP dürfte bürgerliche Gewinnerin sein

Sitzzahl:33 (2015: +3)
Davon Restmandate: 5
Gewinnchancen gross:
Chancen intakt:
Wackelsitze:

Die FDP hat über Jahrzehnte Wähleranteile verloren, doch jetzt zeigt die Kurve wieder nach oben. In den kantonalen Wahlen war die Partei grosse Siegerin (+34 Sitze), und die Wahlumfragen prognostizieren ihr auch auf nationaler Ebene höhere Wähleranteile. In bis zu neun Kantonen haben die Freisinnigen Aussicht auf Sitzgewinne – auf Kosten aller Lager. Gute Chancen bestehen etwa in Graubünden. Dort können sie je nach Listenverbindung entweder den einzigen Sitz der BDP oder den zweiten Sitz der SVP erobern, der 2015 äusserst knapp an Magdalena Martullo-Blocher ging. In Appenzell Ausserrhoden verlor die FDP vor vier Jahren überraschend zum ersten Mal in der Kantonsgeschichte ihren Sitz an die SVP. Wenn sich die Mitte-links-Wähler nun hinter einem Kandidaten vereinen, dürfte er für die FDP wieder zu holen sein.

Im Wallis und in Obwalden könnte die Partei auf Kosten der Mitte zulegen. Im ersten Kanton droht die CVP ihren vierten Sitz, ein Restmandat,

zu verlieren; im zweiten wird die FDP den frei werdenden CSP-Sitz angreifen – was ihr mit einer mehrheitsfähigen Persönlichkeit auch gelingen kann. Das gilt auch für Uri. Weil Amtsinhaber Beat Arnold (SVP) erkrankt ist, ist die Ausgangslage dort allerdings unwägbarer.

Im grossen Kanton Zürich, wo sich kleine Verschiebungen in den Wähleranteilen stark auf die Sitzverteilung auswirken, sicherte sich die FDP 2015 nur knapp kein sechstes Mandat. In der Stadt Zürich hat die Partei 2018 zugelegt; ob der Aufwärtstrend im eidgenössischen Wahljahr anhält, dürfte sich im März bei den kantonalen Wahlen zeigen.

In Bern, Basel-Stadt und Solothurn darf die FDP auf linke Verluste hoffen. In Bern und Solothurn muss die SP zittern; beiderorts hält sie ein umkämpftes Restmandat. Und in Basel-Stadt könnte sich die FDP je nach Listenverbindung in der Mitte den grünen Sitz holen. Zwei Sitze der FDP wackeln aber gefährlich. In Genf, wo sie drei Sitze hält, wird ihr die interne Zerreissprobe wegen Staatsrat Pierre Maudet schaden – die Frage ist nur, wie stark. Sicher gefährdet ist der Sitz von Hugues Hiltpold, der in den Ständerat wechseln will. In Zug tritt Bruno Pezzatti zurück. Dass die FDP seinen Sitz verteidigen kann, ist unwahrscheinlicher, als dass er zu den Grün-Alternativen geht. Damit wackeln in der FDP vergleichsweise wenige Sitze, auch weil die Partei nur wenige Restmandate hält.

Fazit: Mit Sitzgewinnen in Kantonen jeder Grösse dürfte die FDP grosse Gewinnerin im bürgerlichen Lager sein. Doch ihr Erfolg wird abhängig von der Themenkonjunktur sein: Dominiert etwa die Migration die Diskussion oder spitzt sich der Konflikt mit der EU zu, profitiert auf rechter Seite die SVP. Bleibt der Klimawandel bis zum Wahltag virulent, könnte das der FDP ebenfalls schaden. Zudem fehlen der Partei – anders als etwa der CVP – in verschiedenen Kantonen passende Listenpartner. Für die angestrebten Sitzgewinne in den kleinen Kantonen wird es zudem entscheidend sein, ob die FDP profilierte, mehrheitsfähige Köpfe findet.

Jeder vierte CVP-Sitz ist gefährdet

Sitzzahl:27 (2015: –3)
Davon Restmandate: 11
Gewinnchancen gross:
Chancen intakt:
Wackelsitze:

CVP-Präsident Gerhard Pfister ist vor drei Jahren angetreten mit dem Ziel, in den Wahlen 2019 die Trendwende zu schaffen. Wahlumfragen und die Resultate in den kantonalen Wahlen seit 2015 (29 Sitze verloren) lassen nun aber erneute Verluste erwarten. Wenn die Partei den Negativtrend bis zum Oktober nicht kehren kann, muss sie um Mandate in sieben Kantonen zittern. Schon 2015 hat sie viele ihrer 27 Sitze nur knapp gehalten. Keine andere Partei hat proportional mehr Restmandate, die auch bei kleineren Verlusten von Wähleranteilen schneller zur Konkurrenz übergehen als ein Vollmandat.

Akut bedroht ist der dritte Sitz in Luzern: Schon 2015 sicherte ihn Andrea Gmür nur mit einem knappen Restmandat, und jetzt verliert Luzern einen Sitz. Im Wallis droht der vierte Sitz von Thomas Egger schon bei leichten Verlusten an die FDP oder SP zu fallen. In Zürich, im Tessin und in Freiburg hat die CVP je zwei Mandate: Bei Wählerverlusten steht je eines auf der Kippe. Das Mandat von Claude Béglé in der Waadt ist von jeher ein Wackelsitz. Ebenfalls zittern muss Elisabeth Schneider-Schneiter in Baselland: 2015 eroberte sie ihr Restmandat gegen die SVP nur dank einer Verbindung mit der BDP.

Gewinnpotenzial hat die CVP nur wenig. Im Aargau stürzte sie 2015 überdurchschnittlich ab; falls sie zumindest wieder auf das nationale CVP-Niveau kommt, ist ein zweiter Sitz möglich. Sollte der SVP-Amtsinhaber in Uri nicht mehr antreten, hat die CVP Chancen, ihn zu beerben. Allerdings lauert hier auch die FDP. Ärgerlich ist für die Partei die Situation im Kanton Genf: Nachdem Guillaume Barazzone wegen einer Spesenaffäre nicht mehr antritt, sind die – zuvor berechtigten – Hoffnungen auf einen zweiten Sitz geplatzt.

Fazit: Im besten Fall gewinnt die CVP im Herbst zwei Sitze. Realistischer ist, dass sie Sitze verliert – im schlechtesten Fall rund ein Viertel ihrer heutigen Fraktion im Nationalrat.

Grüne hoffen vor allem in der Romandie

Sitzzahl:11 (2015: –4)
Davon Restmandate: 3
Gewinnchancen gross:
Chancen intakt:
Wackelsitze:

Es waren zwei schmetternde Niederlagen in Folge: Bei den Wahlen 2011 und 2015 verloren die Grünen total 9 ihrer 20 Sitze im Nationalrat. Doch seither ist viel geschehen: Breite Bevölkerungsschichten empfinden den Klimawandel heute als Bedrohung, und in den kantonalen Wahlen haben die Grünen insbesondere in der Westschweiz zugelegt. Im Herbst hat die Partei denn auch gute Aussichten, in Genf, in der Waadt und im Wallis Mandate zu gewinnen. Die beiden ersten Kantone haben wegen des Bevölkerungswachstums je einen zusätzlichen Sitz zu vergeben, doch auch die internen Querelen in der Genfer FDP sowie die generelle Formschwäche der SP in der Romandie spielen den Grünen in die Karten. Im Wallis war die Partei mit sechs Sitzgewinnen die grosse Siegerin bei den Wahlen ins Kantonsparlament. Allerdings wäre ein grüner Sitzgewinn im Bergkanton, in dem die Partei keine grosse Basis hat, eine historische Premiere.

Auch in Zürich dürfen die Grünen hoffen: Dort könnten sie den 2015 verlorenen dritten Sitz wieder holen. Damals sicherten sich CVP und SVP je ein Restmandat auf ihre Kosten. Gradmesser für einen allfälligen Erfolg werden die kantonalen Wahlen im Frühling sein. Die Bilanz im grössten Deutschschweizer Kanton wird auch ausschlaggebend für die grüne Dynamik in der restlichen Deutschschweiz sein. Dort sind in St. Gallen, im Thurgau oder in Zug Sitzgewinne möglich – allerdings hängen allfällige Erfolge stark von den Listenverbindungen ab. In Zug etwa wäre eine Kandidatur von Alt-Regierungsrätin Manuela Weichelt aussichtsreich. Häufig hängen die Chancen der Grünen auch vom Verhalten der Grünliberalen ab – ob sie eine Listenverbindung mit der Mitte oder mit dem linken Lager eingehen. Ersteres schmälert die Chancen für die Grünen, Letzteres steigert sie. Das ist beispielsweise auch in Freiburg und Neuenburg der Fall. Allerdings wünscht sich die nationale GLP-Zentrale, dass ihre Kantonalsektionen mit der Mitte Verbindungen eingehen.

Trotz der grundsätzlich guten Aussichten sind auch grüne Sitze gefährdet. In Basel-Stadt hält Sibel Arslan mit einem knappen Restmandat einen Sitz, der alle vier Jahre zwischen den Parteien wechselt. Auch im Kanton Luzern, der einen Sitz verliert, drohen die Grünen Michael Töngis Sitz an die GLP zu verlieren.

Fazit: Das Wahlziel, vier bis fünf Sitze zuzulegen, scheint zum jetzigen Zeitpunkt realistisch. Allerdings sind die Grünen stärker als andere Parteien von der volatilen Themenkonjunktur abhängig. Stehen plötzlich die Renten oder Krankenkassenprämien im Fokus, nützt das im linken Lager eher der SP.

GLP dürfte zulegen, wo sie zuletzt verloren hat

Sitzzahl:7 (2015: –5)
Davon Restmandate: 4
Gewinnchancen gross:
Chancen intakt:
Wackelsitze:

2015 verlor die GLP fünf ihrer zwölf Sitze. Seither ging es auf Kantonsebene leicht aufwärts (+3 Sitze), und die Umfragen sagen ihr erfolgreiche nationale Wahlen voraus. Gewinnen könnte die GLP vorab in Kantonen, in denen sie das 

letzte Mal verloren hat: In St. Gallen, Thurgau und Luzern hat sie intakte Chancen, wenn ihre Kantonalsektionen eine Mitte-Listenverbindung eingehen. Potenzial hat die GLP zudem in der Waadt und in Zürich, wo die Partei über zugkräftigen Nachwuchs verfügt. Doch die Fraktion hält mehr Rest- als Vollmandate. Etwas wacklig ist ein Berner Sitz.

Fazit: Wie stark die GLP zulegen wird, hängt von ihren Listenverbindungen ab. Dort, wo Gewinne möglich sind, steht sie in direkter Konkurrenz zu Grünen und SP.

BDP bangt um ihre Fraktionsstärke

Sitzzahl:7 (2015: –2)
Davon Restmandate: 2
Gewinnchancen gross:
Chancen intakt:
Wackelsitze:

Wenn die Verluste, welche die BDP seit 2015 in den Kantonen erlitten hat, sich in den nationalen Wahlen bestätigen, steht im Nationalrat ihre Fraktionsstärke (5 Sitze) auf dem Spiel. Am stärksten gefährdet ist Bernhard Guhl im Aargau, wo die BDP auf Kantonsebene von 4,3 auf 2,7 Prozent abgestürzt ist. In Graubünden könnte Duri Campell von der 

FDP verdrängt werden, falls die GLP sich der geplanten Mitte-Listenverbindung verweigert. Nicht garantiert ist auch der dritte BDP-Sitz im Kanton Bern, weil dieser 2019 ein Mandat weniger zu vergeben hat. Allerdings hat die BDP hier 2015 ihren vierten Sitz recht knapp verpasst - das gibt für die Partei Anlass zur Hoffnung.

Fazit: Sitzgewinne liegen kaum drin. Falls die Mitteparteien sich aber wie geplant konsequent verbinden, ist für die BDP der Erhalt von fünf oder mehr Sitzen möglich.

Wenig Rücktritte

Abgänge aus dem Nationalrat

Wie viele Parlamentarier das 200-köpfige Gremium verlassen haben

während der Legislatur*
auf Ende Legislatur
Abwahl
Offen

* Rücktritte plus Todesfälle sowie Wahlen in Bundesrat oder Ständerat
** Entscheid noch offen oder Kandidatur für anderes politisches Amt vor den eidgenössischen Wahlen
Grafik: mrue/Quelle: Parlamentsdienste, Recherchen Tamedia

Wie hart im Oktober jeder einzelne Sitz umkämpft ist, zeigt sich auch an den tiefen Rücktrittszahlen. Bis jetzt haben erst 21 Nationalratsmitglieder ihren Abschied auf Ende Legislatur erklärt. Bei weiteren zwölf Ratsmitgliedern ist noch offen, ob sie erneut antreten. Sie haben sich entweder noch nicht entschieden oder kandidieren für ein anderes politisches Amt. Drei Nationalratsmitglieder erwägen die Wiederkandidatur auf einer anderen Liste, weil sie von ihrer eigenen Partei nicht mehr aufgestellt werden: Kathy Riklin (CVP/ZH) sowie Maximilian Reimann und Luzi Stamm (beide SVP/AG).

Selbst wenn alle zwölf nicht mehr antreten sollten, ist die diesjährige Rücktrittsquote die zweittiefste seit über dreissig Jahren. Das verdeutlicht: Die Parteien wollen ihre gefährdeten Sitze wo immer möglich mit Bisherigen sichern. Denn sie wissen: Bei den eidgenössischen Wahlen 2019 hängen die Kräfteverhältnisse zwischen Rechts, Mitte und Links buchstäblich von jedem einzelnen Sitz ab. Die wenigen Rücktritte im Nationalrat kontrastieren auffällig mit dem Ständerat, wo 2019 eine rekordhohe Zahl von mindestens 19 Ratsmitgliedern nicht mehr antreten.

Namen der Abtretenden

Zusätzlich zu den 23 Abgängen während der Legislatur treten 21 Nationalratsmitglieder per Ende Jahr zurück. Bei 12 ist der Entscheid noch offen.

SVP-Fraktion
Total 68 Sitze (inkl. 2 Lega, 1 MCG)
5 Abgänge, die feststehen
Adrian Amstutz (BE)
Alice Glauser (VD)
Markus Hausammann (TG)
kandidiert für den Ständerat
Sylvia Flückiger (AG)
Ulrich Giezendanner (AG)
7 mögliche Abgänge
Beat Arnold (UR)
Jürg Stahl (ZH)
Luzi Stamm (AG)
kandidiert evtl. auf neuer Senioren-Liste
Maximilian Reimann (AG)
kandidiert evtl. auf neuer Senioren-Liste
Natalie Rickli (ZH)
kandidiert für den Regierungsrat
Raymond Clottu (NE)
parteilos, Wiedereintritt in SVP offen
Thomas de Courten (BL)
kandidiert für den Regierungsrat
SP-Fraktion
Total 43 Sitze
7 Abgänge, die feststehen
Bea Heim (SO)
Carlo Sommaruga (GE)
kandidiert für den Ständerat
Jacques-André Maire (NE)
Margret Kiener Nellen (BE)
Manuel Tornare (GE)
Silva Semadeni (GR)
Silvia Schenker (BS)
1 möglicher Abgang
Rebecca Ruiz (VD)
kandidiert für den Regierungsrat
FDP-Fraktion
Total 33 Sitze
5 Abgänge, die feststehen
Bruno Pezzatti (ZG)
Corina Eichenberger (AG)
Fathi Derder (VD)
Hugues Hiltpold (GE)
kandidiert für den Ständerat
Walter Müller (SG)
CVP-Fraktion
Total 30 Sitze (inkl. 2 EVP, 1 CSP)
4 Abgänge, die feststehen
Dominique de Buman (FR)
Géraldine Marchand-Balet (VS)
Guillaume Barazzone (GE)
Karl Vogler (CSP, OW)
2 mögliche Abgänge
Daniel Fässler (AI)
kandidiert für den Ständerat
Kathy Riklin (ZH)
kandidiert evtl. auf neuer CVP-Unterliste
Grüne-Fraktion
Total 12 Sitze (inkl. 1 PdA)
Keine Abgänge
GLP-Fraktion
Total 7 Sitze
1 möglicher Abgang
Thomas Weibel (ZH)
BDP-Fraktion
Total 7 Sitze
1 möglicher Abgang
Hans Grunder (BE)

 

Wie bewerten Sie diese Geschichte?
Wie informativ war der Beitrag?
Wie gefällt Ihnen die Gestaltung?

Methodik

Die Analyse zu den Wahlen 2019

Als Grundlage dieser Analyse über die möglichen Sitzgewinne und -verluste bei den Wahlen 2019 dienten erstens die Ergebnisse der eidgenössischen Wahlen 2015 – inklusive der damaligen Wähleranteile, Restmandate und Listenverbindungen. Zweitens wurden die Entwicklungen in den kantonalen Wahlen seit 2015 sowie die letzten Wahlumfragen von Tamedia und SRG berücksichtigt. Das dritte Element bildet die Ausgangslage im Wahljahr 2019, namentlich die bereits absehbaren Kandidaturen und Rücktritte sowie mögliche Listenverbindungen. Viertens basiert die Analyse auf Gesprächen mit zahlreichen Exponenten aller Parteien sowie unparteiischen Kennern einzelner Kantone. Die Ergebnisse dieser Recherchen mündeten in sieben Potenzial- und Risikoanalysen für die grössten Parteien. Basierend darauf, wurden die Schlussfolgerungen für Veränderungen in den Kräfteverhältnissen im Nationalrat gezogen.